Die Gemmotherapie gegen Alltagsbeschwerden

Von Paul Musset, Apotheker | Herausgegeben am

Die Gemmotherapie gegen Alltagsbeschwerden

Die Behandlung mit einem Pflanzenextrakt… bis hierhin nichts Neues. Aber wussten Sie, dass Knospen auch therapeutische Eigenschaften haben? Welche Störungen können sie lindern? Wie werden Mazerate hergestellt? Fokus auf die Gemmotherapie!

Was ist die Gemmotherapie?

Die Prinzipien

Die Gemmotherapie ist eine Form der Phytotherapie. Bei ihr werden Pflanzenknospen verwendet, um verschiedene Pathologien zu behandeln. Alle embryonalen Gewebe (Knospen, junge Triebe, Wurzelfasern) sind Bestandteil der Gemmotherapie.

Diese therapeutische Form basiert auf dem Prinzip, dass die Eigenschaften von Knospen stärker ausgeprägt sind als die von reifen Pflanzen. Die Knospe enthält das gesamte Potential der Pflanze, während wir bei der Verwendung eines Pflanzenextrakts nur einen Teil der pflanzlichen Vorteile nutzen. Das Wirkspektrum der Knospe ist also größer.

Darüber hinaus sind die embryonalen Gewebe einer Pflanze reich an Wirkstoffen (Hormone, Spurenelemente, Mineralstoffe…). Sie enthalten insbesondere viele Mikronährstoffe wie Polyphenole, die anerkannte antioxidative Eigenschaften haben.

Ein bisschen Geschichte…
Die Gemmotherapie ist keine ganz neue Praxis. Tatsächlich wurde die Knospentherapie bereits im Mittelalter praktiziert. Damals wurden beispielsweise junge Pappeltriebe zur Herstellung von therapeutischem Balsam verwendet. Trotzdem hielt der Begriff Gemmotherapie erst in den 1970er Jahren Einzug in den allgemeinen Sprachschatz.

Wie werden die Knospen vorbereitet?

Die Verwendung von embryonalen Pflanzengeweben erfolgt in Form eines Mazerates. Wie der Name schon verrät, müssen bei einem Mazerat die Knospen in einer Lösung mazeriert werden. Diese setzt sich aus einem Gemisch von Wasser, Glycerin und Alkohol zusammen. Die Pflanzenembryonen werden 3 Wochen in der Lösung eingeweicht und anschließend gefiltert. Die erhaltene Substanz wird Mutter-Mazerat genannt. Sie wird als Grundlage für die Herstellung von Mazeraten dienen, die in Gemmotherapie-Produkten enthalten sind.

Die am häufigsten verwendeten Knospen und ihre Vorzüge

Wenn sie therapeutische Eigenschaften aufweisen, können alle Pflanzen verwendet werden. Somit können alle Leiden, die für gewöhnlich mit Pflanzenextrakten behandelt werden, einer Gemmotherapie unterzogen werden.

Dennoch wird bestimmten Knospen in der Praxis dieser Alternativmedizin der Vorzug gegeben:

  • Schwarze Johannisbeere: sie trägt dazu bei, das Allergierisiko gegen Medikamente zu begrenzen und Entzündungen durch Rheuma zu reduzieren. Außerdem ist sie nützlich, um die körpereigene Abwehr zu stärken;
  • Nussbaum: er verfügt über verdauungsfördernde Eigenschaften und bekämpft Nahrungsmittelunverträglichkeiten;
  • Sanddorn: er bringt Spannkraft und trägt zur Erholung des Organismus im Genesungsprozess bei;
  • Lindenbaum: er hilft, Schlafstörungen zu reduzieren, indem er gegen Angstzustände wirkt;
  • Rosmarin: er dient als Entgiftungsmittel für den Organismus und wirkt insbesondere in der Leberregion, in dem eine gute Gallenfunktion aufrechterhalten wird.

Auch andere Knospen können bei der Heilung und Linderung vieler Beschwerden hilfreich sein. Wir werden etwas später in diesem Artikel darauf zurückkommen und Ihnen das Mazerat empfehlen, das Sie entsprechend Ihrer Bedürfnisse wählen sollten.

Gemmotherapie: wie setzt man sie in die Praxis um?

Die verschiedenen Mazerat-Formen

Wie die Homöopathie, bei der Wirkstoffmischungen oder Einzelsubstanzen zum Einsatz kommen, bietet die Gemmotherapie einzelne oder komplexe Lösungen.

Die Einzellösungen basieren auf einer bestimmten Knospe. Abhängig von ihren Eigenschaften kann das Mazerat zur gezielten Behandlung verschiedener Störungen (die nicht unbedingt miteinander verbunden sind) verwendet werden.

Die Gemmotherapie-Komplexe konzentrieren sich auf eine Störung (Müdigkeit, Stress, Allergie, schlechte Durchblutung...) und kombinieren mehrere Mazerate mit komplementären Eigenschaften, um ihre Wirksamkeit zu optimieren.

Wie benutzt man ein Mazerat?

Die Gemmotherapie wird im Allgemeinen als 3-wöchige Heilkur angewendet. Die Behandlung kann für eine Dauer von mehreren Monaten verlängert werden. In diesem Fall ist es jedoch ratsam, zwischen jeder Heilkur eine Pause von einer Woche einzulegen.

In Bezug auf die Dosierung kann diese je nach Mazerat variieren, aber in der Regel wird sie abhängig vom Alter festgelegt:

  • Erwachsene: 5 bis 15 Tropfen pro Tag, einmalige oder mehrmalige Einnahme;
  • Kinder und schwangere Frauen: 1 Tropfen pro 10 kg / Tag.

Das Mazerat kann in etwas frischem Wasser verdünnt werden, wenn der Alkoholgehalt zu hoch erscheint.

Mazerat und Vorsichtsmaßnahmen für den Gebrauch
Im Gegensatz zu reifen Pflanzen haben die Knospen den Vorteil, keinerlei toxische Verbindungen zu enthalten. Bei ihrer Verwendung unterliegen sie somit nur wenigen Einschränkungen, können aber im Rahmen einer medizinischen Behandlung kontraindiziert sein (Interaktionsrisiko). In jedem Fall empfehlen wir Ihnen, sich vor Beginn einer Heilkur von einem Heilpraktiker beraten zu lassen.

Müdigkeit, Schlafstörungen: welches Mazerat sollte gewählt werden?

Die Vorteile der Gemmotherapie sind zahlreich. Diese alternative Medizin wird unter anderem genutzt, um den Organismus zu entgiften, Störungen aufgrund von Arthritis und Rheumatismus zu lindern und das Immunsystem zu stärken. Auch Wintermüdigkeit und Schlafstörungen gehören zu den durch die Gemmotherapie behandelten Beschwerden. Nachstehend folgen Beispiele für Mazerate, die Ihnen helfen können, diese beiden Übel zu bekämpfen.

Bei Wintermüdigkeit:

  • Die Hagebuttenknospe: sie hilft bei der Bekämpfung der Wintermüdigkeit, indem sie die Energie steigert und zur Stärkung der natürlichen Abwehrkräfte beiträgt;
  • Die Sanddornknospe: der Organismus profitiert von den Vorzügen ihrer vitalisierenden Eigenschaften und stimuliert das Immunsystem;
  • Die Knospe der schwarzen Johannisbeere: sie wirkt antibakteriell und antiviral und schützt so den Körper vor saisonalen Krankheiten wie der Grippe.

Jedes dieser Mazerate kann separat eingenommen werden. Um Ihre Erfolgschancen zu steigern, ist ihre Verbindung jedoch durchaus möglich. Sie können Einzelmazerate kombinieren oder Präparate in Form von Gemmotherapie-Komplexen verwenden.

Bei Schlafstörungen:

  • Die Weißdornknospe: sie wirkt gegen Angstzustände und trägt dazu bei, übermäßige Nervosität zu kontrollieren. Dieses Mazerat ist besonders für Menschen angezeigt, die unter einem nicht erholsamen Schlaf leiden;
  • Die Lindenknospe: sie hat eine sedative Wirkung und fördert den Ruhezustand bei ängstlichen Menschen. Die Gemmotherapie mit Linde wird Personen empfohlen, die Schwierigkeiten beim Einschlafen haben.

Die Gemmotherapie ist eine Alternative zur traditionellen Medizin. Sie lindert zahlreiche Störungen und optimiert den Lebenskomfort auf 100% natürliche Weise.

Die drei wichtigsten Punkte, die Sie sich zur Gemmotherapie merken sollten:

  • Das Prinzip der Gemmotherapie beruht auf der Idee, dass die Knospe alle Vorzüge zentralisiert, die sich in verschiedenen Bestandteilen der reifen Pflanze befinden;
  • Ein Mazerat ist das Ergebnis der Mazeration einer Knospe in einem Gemisch aus Wasser, Alkohol und Glycerin;
  • Die Gemmotherapie ermöglicht die Linderung vieler Beschwerden wie Herz-Kreislauf-, Gelenk- und Schlafstörungen. Grundsätzlich stärkt sie die natürlichen körperlichen Abwehrkräfte und trägt zum allgemeinen Wohlbefinden bei.
Über den Autor
Paul Musset
Paul Musset
Apotheker
Als Doktor der Phamazie von der Université de Reims (Reims Universität in Frankreich), Paul Musset interessiert sich besonders für Naturheilkunde und für sportliche Ernährung. Er begleitet Sie in Ihrem "Gesundheits- und Schönheitsmagazin" und teilt mit Ihnen seine Gesundheits- und Wellnesstipps.
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