Aromatherapie:
kleiner Leitfaden für Anfänger

Von Paul Musset, Apotheker | Herausgegeben am | Zuletzt aktualisiert am 30/03/2020

Aromatherapie: kleiner Leitfaden für Anfänger

Die Aromatherapie, die als Zweig der Phytotherapie gilt, verwendet aromatische Verbindungen aus Pflanzen – oder ätherischen Ölen – zum Vorbeugen und Heilen. Unser Leitfaden verrät Ihnen mehr über diese alternative Medizin und ihre Vorteile.

Die Aromatherapie: Definition und Besonderheiten

Was ist die Aromatherapie?

Bei der Aromatherapie werden aromatische Pflanzenextrakte (ätherische Öle) zu therapeutischen Zwecken verwendet.

Wie werden ätherische Öle gewonnen?
Ätherische Öle werden hauptsächlich durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Der Wasserdampf passiert einen Behälter mit Pflanzen und führt deren Duftmoleküle mit sich. Der mit ätherischem Öl angereicherte Dampf durchquert eine Kühlschlange, wodurch er abgekühlt wird und kondensiert. Das ätherische Öl trennt sich durch den Dichteunterschied von der wässrigen Phase. Es wird dann im Florentiner Topf gesammelt.

Die Aromatherapie in der Geschichte

Das Wort Aromatherapie stammt von René-Maurice Gattefossé, der die Eigenschaften des ätherischen Lavendelöls entdeckte, als er eine Verbrennung an der Hand behandeln musste. Vor ihm waren Aromatherapie und Phytotherapie zwei vergleichbare Bereiche. Die Destillation von Pflanzen wurde bereits in den ersten Jahrhunderten vor Christus in Ägypten und Griechenland praktiziert.

Die Besonderheit der Aromatherapie im Vergleich zu anderer Alternativmedizin

Die Phytotherapie (Kräutermedizin) und die Aromatherapie haben eines gemeinsam: sie „heilen mit Pflanzen“. In der Phytotherapie werden jedoch andere Verfahren (Kräutertees, Pulver, Salben...) angewendet, um die medizinischen Qualitäten von Pflanzen zu nutzen, während in der Aromatherapie nur ätherische Öle verwendet werden. Die Aromatherapie wird daher als Zweig der Phytotherapie angesehen. Ebenso wie die Homöopathie gehört auch die Aromatherapie zur Alternativmedizin.

Was ist der Unterschied zwischen ätherischen Ölen, Blütenwasser und Hydrolaten?
Hydrolate sind Wässer, welche aromatische Verbindungen von Pflanzen enthalten. Sie werden gleichzeitig mit ätherischen Ölen während der Destillation von Pflanzen mit Dampf gewonnen. Das Hydrolat gehört zu der wässrigen Phase, die bei Destillationsende am Ausgang des Destillierkolbens gewonnen wird. Hydrolate werden manchmal als „Blütenwasser“ bezeichnet, wenn der Teil der destillierten Pflanze eine Blume ist.

Die kurativen Anwendungen ätherischer Öle

Verwendungsarten

Ätherische Öle können innerlich, äußerlich oder über die Atemwege angewendet werden.

  • Innerliche Anwendung: ätherische Öle sind sehr effizient, aber die Dosierungen und Kontraindikationen müssen genauestens eingehalten werden. Sie müssen unbedingt mit Honig, Zucker, Pflanzenöl oder Brotkrümeln verdünnt werden. Sie verdünnen sich nicht in Wasser. In Apotheken oder Drogerien können Sie magensaftresistente Kapseln, Zäpfchen oder Vaginaltabletten kaufen.
  • Äußerliche Anwendung: man kann bestimmte ätherische Öle verwenden, indem sie auf der Haut verteilt werden. Sie werden in der Regel mit einem Pflanzenöl, einem Wachs, einer Salbe, einer Creme oder einer Körpermilch kombiniert.
  • Anwendung über die Atemwege: in der Aromatherapie kommt sehr oft ein Diffusor für ätherische Öle zum Einsatz. Dabei wird das in die Luft freigesetzte ätherische Öl über die Atemwege aufgenommen und gelangt ins Gehirn. Dort übt es seine psycho-emotionale therapeutische Wirkung aus. Es gibt Diffusoren aus mundgeblasenem Glas, mit Ventilation, aus Porzellan mit elektrischer Diffusion, passiver Diffusion (poröse Keramik) und Wärmediffusoren.

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Wirkungen der ätherischen Öle

Bei den rund 40 gängigen ätherischen Ölen zählt man fast 80 Eigenschaften. Ätherische Öle können eine direkte Wirkung auf Krankheitserreger (Bakterizide, antimykotisch, antiviral...) haben. Sie können auch spezifische physiologische Funktionen (z. B. östrogenähnliche Wirkungen) und Auswirkungen auf den Stoffwechsel (z. B. neurovegetatives System) haben. Die Wirkungen sind somit vielfältig: entzündungshemmend, stimulierend, krampflösend, schmerzlindernd, choleretisch, juckreizlindernd, antiviral, entschlackend, beruhigend, sedierend, tonisierend, aphrodisierend, antidepressiv...

Aromatherapie: was sagen wissenschaftliche Studien?

Wissenschaftliche Veröffentlichungen belegen immer öfter die Wirksamkeit der Aromatherapie, insbesondere bei bestimmten Leiden:

  • Ätherisches Lavendelöl soll insbesondere dank seiner sedierenden und beruhigenden Wirkung einen starken Effekt auf die Verbesserung des Schlafs haben sowie Stress, Angstzustände und Depressionen verringern,
  • Auch Bluthochdruck wird durch die Verwendung von ätherischen Ölen reduziert, welche Stress und Angst verringern: eine Mischung aus echtem Lavendel, Majoran, Ylang-Ylang, Bitterorange und Neroli.
  • Diabetes Typ 2: ätherische Kreuzkümmel- und Zimtöle haben vor allem eine blutzuckersenkende Wirkung und ermöglichen so die Kontrolle des Zuckerspiegels.
  • Das ätherische Rosengeranienöl hilft auch bei der Bekämpfung von Harnwegsinfektionen. Massagen mit einem Lavendelöl, das durch ein Pflanzenöl verdünnt wurde, helfen dabei, die Auswirkungen der Menopause zu verringern.
  • Ätherisches Niaouliöl hilft, die Nebenwirkungen der Strahlentherapie zu begrenzen.
  • Durch Krankenhäuser bedingte nosokomiale Infektionen werden auch durch die antivirale, antimykotische und antibakterielle Wirkung von ätherischen Ölen aus Teebaum, Oregano, Gewürznelken und Zimt reduziert.

Aromatherapie: Welche Vorsichtsmaßnahmen sind zu beachten?

Dosierung, Verdünnung, Art der Anwendung

Ätherische Öle sind stark und reizend, es ist daher unerlässlich, sie gemäß den Empfehlungen von Herstellern oder Fachleuten zu verwenden. Sie müssen bei äußerer Anwendung systematisch verdünnt werden (Pflanzenöl, Creme, Salbe...). Einige von ihnen dürfen nicht in die Luft abgegeben werden und andere dürfen keinesfalls regelmäßig oder in hohen Dosen eingenommen werden.

Risiken und Nebenwirkungen

Da ätherische Öle sehr stark in aktiven chemischen Elementen konzentriert sind, können sie Gefahren darstellen. Sie müssen mit Vorsicht angewendet werden, insbesondere bei Kindern unter 10 Jahren und potenziell geschwächten Erwachsenen (schwangere oder stillende Frauen, ältere Menschen, Epileptiker, Asthmatiker...).

Einige ätherische Öle können die Haut sehr reizen, wenn sie nicht korrekt verwendet werden. In einigen Fällen können sie photosensibilisierend sein: Sonnenstrahlen aktivieren die in den ätherischen Ölen enthaltenen Substanzen und machen das Öl für die Haut reizend oder sogar giftig. Setzen Sie Ihre Haut nach dem Auftragen des ätherischen Öls also nicht der Sonne aus.

Allergische Reaktionen können ebenfalls auftreten, so dass es wichtig ist, vor dem normalen Gebrauch einen Test durchzuführen, indem eine kleine Menge auf die Haut aufgetragen wird.

Ätherische Öle, die Phenole und Ketone enthalten, reizen die Atemwege und sollten daher nicht freigesetzt werden. Ketone, die oral in hoher Dosis und über lange Zeiträume aufgenommen werden, können die Wirkung von Giften haben.

Die umfangreiche und wiederholte Verwendung bestimmter ätherischer Öle kann hepatotoxische und neurotoxische Wirkungen haben.

Ketone, potenziell toxische Moleküle
Ketonhaltige ätherische Öle sollten sparsam verwendet werden. Einige von ihnen dürfen niemals oral eingenommen werden. Unter den ätherischen Ölen, die Ketone enthalten, sind die neurotoxischsten: Echter Salbei, Thuja, Schafsgarbe, Atlaszeder, alle Arten von Minze, Kampfer Eukalyptus, Piperiton Eukalyptus, Eukalyptus Camaldulensis, Eukalyptus globulus, Eukalyptus polybractea krypton, Aspik Lavendel, Stoechade Lavendel und Rosmarin-Kampfer.

Im Allgemeinen dürfen ätherische Öle nicht pur verwendet werden. Im Zweifelsfall wird empfohlen, einen Aromatherapeuten oder einen spezialisierten Apotheker zu konsultieren.

Bei der Aromatherapie werden ätherische Öle auf verschiedene Weise verwendet und lindern so viele Krankheiten, Stress, Harnwegsinfektionen, Diabetes, Hormonstörungen usw. Ätherische Öle haben Wirkungen, die manchmal bestimmte Pathologien behandeln oder in Synergie mit herkömmlichen Behandlungen wirken können.

Die drei wichtigsten Fakten zu Aromatherapie, die man sich merken sollte:

  • Bei der Aromatherapie werden ätherische Öle innerlich, äußerlich oder über die Atemwege zu medizinischen Zwecken verwendet.
  • Ätherische Öle haben zahlreiche und starke Wirkungen, die viele Schmerzen oder Pathologien lindern können.
  • Sie sollten mit Vorsicht angewendet werden: die Risiken und Nebenwirkungen können aufgrund der Stärke der Bestandteile erheblich sein.
Über den Autor
Paul Musset
Paul Musset
Apotheker
Als Doktor der Phamazie von der Université de Reims (Reims Universität in Frankreich), Paul Musset interessiert sich besonders für Naturheilkunde und für sportliche Ernährung. Er begleitet Sie in Ihrem "Gesundheits- und Schönheitsmagazin" und teilt mit Ihnen seine Gesundheits- und Wellnesstipps.
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