Zahnfleischreizung:
wie behandelt man sie?

Von Paul Musset, Apotheker | Herausgegeben am

Zahnfleischreizung: wie behandelt man sie?

Geschwollenes, schmerzhaftes Zahnfleisch, kleinere Blutungen beim Zähneputzen: was geht hier vor? Ihr Zahnfleisch ist zweifellos gereizt. Hier besteht jedoch kein Grund zur Panik, es wird Zeit, sich um die wertvolle Stütze unserer Zähne zu kümmern!

Das Zahnfleisch, das empfindliche Nest der Zähne

Wie setzt sich unser Gebiss zusammen?

Das Zahnfleisch besteht aus dickem, stark vaskularisiertem und innerviertem Gewebe. Es handelt sich um ein Stützelement der Zähne, das ebenso unverzichtbar wie verletzlich ist! Um die Rolle des Zahnfleisches für die Zahngesundheit zu verstehen, muss man den Aufbau des Gebisses kennen.

Der Zahn besteht in der Mitte aus Pulpa. Hier befinden sich die meisten Blutgefäße und Nervenenden. Anschließend kommt das Dentin, eine größtenteils mineralische Substanz, welche aber auch etwas organische Substanz enthält, die von Nerven durchzogen ist. Abschließend bedeckt eine Zahnschmelzschicht den Zahn, aber nur den austretenden Teil. Die Wurzeln, ein unsichtbarer Teil, sind von einem dünnen, knochenähnlichen Wurzelzement umgeben. Rundherum befindet sich das periodontale oder parodontale Ligament, ein geschmeidiges Gewebe, das dabei hilft, die Bewegungen des Zahns abzufedern.

Das Zahnfleisch verlängert die Schleimhäute des Mundes, um die Kieferknochen (die Kiefer) zu umhüllen und die Basis jedes Zahns zu umgeben. Es ist haftend, das heißt, es klebt am Zahn, außer auf Höhe des Zahnhalses, wo der sichtbare Teil des Zahns austritt, und wo es einen kleinen Wulst formt, der nicht mit dem Zahnschmelz verbunden ist.

Das Zahnfleisch, essentiell, aber empfindlich

Die Hauptfunktion des Zahnfleisches ist es, den Knochen und den Zahn vor äußeren Einflüssen zu schützen. Es verwehrt Schmutz und Keimen den Zugang, die sich ihren Weg ins Innere suchen und den Knochen, die Wurzeln oder den nährenden Blutkreislauf erreichen könnten. Ein Zahnfleisch in schlechtem Zustand kann das Essen, das Sprechen und die allgemeine Gesundheit beeinträchtigen. Das Zahnfleisch ist anfällig: es handelt sich um ein weiches Gewebe in direktem Kontakt mit Lebensmitteln, das von kleinen Blutgefäßen und Nerven durchzogen ist und Temperaturwechseln, Reibungen und permanentem Druck ausgesetzt ist (beim Sprechen oder beim Kauen).

Gereiztes Zahnfleisch: die Gingivitis

Angeschwollenes Zahnfleisch, das leuchtend rot ist und glänzt? Wiederholte Blutungen beim Zähneputzen oder beim Beißen in einen Apfel? Mundgeruch? Sensibles Zahnfleisch, das bei leichtem Kontakt schmerzt? Sie gehören vielleicht zu 80% der Bevölkerung, die Gingivitis-Phasen hatten oder haben werden, früher oder später.

Eine Gingivitis ist eine oberflächliche Entzündung des Zahnfleisches. Sie tritt häufig auf und ist harmlos. Wenn sie jedoch nicht behandelt wird, kann sich die Entzündung im gesamten Zahnfleischgewebe ausbreiten: das ist eine Parodontitis. Diese kann sich so weit verschlimmern, dass am Ende durch Zahnfleischrückbildung Zähne ausfallen. Es wird geschätzt, dass Parodontitis die Ursache von 30 bis 40% des Zahnausfalls ist.

Was sind die Ursachen für eine Gingivitis? In den meisten Fällen sind Zahnbelag und Zahnstein die Hauptverantwortlichen. Zahnbelag ist eine Mischung aus Speiseresten und Bakterien, die sich aufgrund von unzureichendem oder ineffizientem Zähneputzen auf und zwischen den Zähnen ansammeln. Im Laufe der Zeit verhärtet sich diese Plaque - Quelle für Infektionen und Entzündungen - und haftet in Form von Zahnstein am Zahn.

Wie beugt man Gingivitis vor und behandelt sie?

Die erste Regel zum Vorbeugen von Gingivitis ist es, die Zähne regelmäßig (mindestens zweimal täglich) zu putzen. Dabei muss korrekt vorgegangen werden. Man putzt vom Zahnfleisch zum Zahn, mit einer Bürste mit sehr weichen Borsten, ohne Flächen auszulassen. Es ist wichtig, eine geeignete Zahnpasta zu verwenden, die sanft zum Zahnfleisch ist und die Zähne stärkt, insbesondere dank Fluorid. Cocooncenter bietet Ihnen eine Auswahl an Zahnpasten, die speziell für sensibles Zahnfleisch entwickelt wurden und gut Beschwerden lindern. Zum Reinigen der Interdentalräume wird die Verwendung von  Zahnseide oder speziellen Interdentalbürsten empfohlen.

Achten Sie darauf, mindestens einmal im Jahr Ihren Zahnarzt aufzusuchen. Er führt eine Zahnsteinentfernung durch, die oft ausreicht, um eine einfache Gingivitis zu beheben. Manchmal kann eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich sein, aber während Sie auf Ihren Termin warten, können Sie mit Mundspülungen mit einer antiseptischen Lösung beginnen und diese maximal 10 Tage anwenden. Es gibt auch antiseptische Gele, die auf das Zahnfleisch aufgetragen werden, aber auch hier sollte die Behandlung nicht ohne ärztlichen Rat verlängert werden, da sie langfristig die Mundflora aus dem Gleichgewicht bringen kann. Für kleine Sorgen wie einen unangenehmen Atem gibt es Sprays, die bis zur Lösung des Grundproblems verwendet werden können.

Tabak: der Erzfeind des Zahnfleischs
Zucker ist nicht der einzige schlimmste Feind von Zähnen und Zahnfleisch! Rauchen erhöht - zusätzlich zu allen seinen bekannten schädlichen Wirkungen - das Risiko von Zahnfleischreizungen. Rauch greift das Gewebe und kleine Blutgefäße an, was die Sauerstoffzufuhr reduziert und die Degeneration von Parodontose fördert, die Immunabwehr verringert sich. Nikotin lagert sich auf den Zähnen ab und behindert die richtige Haftung des Zahnfleisches, wodurch eine Zahnlockerung und Infektionen gefördert werden. Außerdem fördert der durch das Rauchen bedingte Temperaturanstieg im Mund die Entwicklung von schlechten Bakterien.

Andere Ursachen für Zahnfleischreizungen

  • Karies beginnen oft schleichend, aber sobald sie die Nervenenden erreichen, kann man sie nicht länger ignorieren. Die Infektion kann sich auf den gesamten Bereich ausbreiten und Zahnfleischschmerzen verursachen;
  • Der übermäßige Verzehr von Süßigkeiten ist sehr schlecht für Zähne und Zahnfleisch! Zucker wird im Mund zu Säure umgewandelt und zu einer Quelle von Karies und Reizungen;
  • Diabetes ist ein Risikofaktor für Gingivitis und Parodontitis aus mehreren Gründen: Zunächst verändert die Hyperglykämie die Speichelzusammensetzung und beeinträchtigt auch die Mikrozirkulation in den kleinen Zahnfleischgefäßen, was zu einer Schädigung des Zahnfleisches führt. Zudem neigen einige Antidiabetika dazu, die Speichelbildung zu verringern und dadurch die Bildung von Zahnsteinablagerungen zu erhöhen;
  • Aphten sind kleine Geschwüre, die zwar harmlos, aber sehr schmerzhaft sind. Diese können sich sowohl am Zahnfleisch als auch auf der Zunge und anderen Mundschleimhäuten befinden. Sie verschwinden nach rund zehn Tagen;
  • Wenn das Zahnfleisch schmerzhaft, angeschwollen und heiß ist, unter Umständen mit einem sichtbaren Pickel, kann es sich um einen Abszess handeln. Hier muss schnell ein Arzt aufgesucht werden;
  • Bruxismus oder Bruxomanie ist eine unwillkürliche Bewegung der Kiefer, die häufig beim Einschlafen geschieht und dazu führt, dass die oberen Zähne kräftig auf den unteren reiben, entweder in seitlichen Bewegungen oder von vorne nach hinten. Dies führt zu vorzeitigem Verschleiß der Zähne und setzt auch dem Zahnfleisch zu;
  • Hormonelle Veränderungen können zu Zahnfleischreizungen führen, beispielsweise während der Schwangerschaft;
  • Ab einem Alter von 50 Jahren, und manchmal früher bei schlechter Zahnpflege, neigt das Zahnfleisch zur Zurückbildung (gingivale Rezession). Es lässt den Teil der Zähne frei, der normalerweise verborgen ist. Dies kann Zahnfleischreizungen und Zahnempfindlichkeit verursachen.

Gesundes und rosa Zahnfleisch, in perfekter Gesundheit, das die Zähne stützen und ihre Wurzeln schützen kann: das ist möglich! Es fängt mit einer sorgfältigen Pflege der Zähne an, einschließlich der Auswahl einer Zahnpasta zum Schutz des Zahnfleisches von guter Qualität!

Die drei wichtigsten Punkte, die Sie sich zu Zahnfleischreizungen merken sollten:

  • In der Mehrheit der Fälle sind Zahnfleischreizungen auf eine Gingivitis zurückzuführen, was eine Entzündung des Zahnfleischgewebes ist, die harmlos ist, aber behandelt werden muss;
  • Um Gingivitis vorzubeugen, ist sanftes und regelmäßiges Zähneputzen mit einer speziellen Zahnpasta zur Zahnfleischpflege die beste Lösung;
  • Gingivitiden werden häufig durch Zahnstein und Zahnbelag verursacht, aber können auch durch schlecht eingestellte Zahnspangen, hormonelle Umstellungen, Diabetes... auftreten.
Über den Autor
Paul Musset
Paul Musset
Apotheker
Als Doktor der Phamazie von der Université de Reims (Reims Universität in Frankreich), Paul Musset interessiert sich besonders für Naturheilkunde und für sportliche Ernährung. Er begleitet Sie in Ihrem "Gesundheits- und Schönheitsmagazin" und teilt mit Ihnen seine Gesundheits- und Wellnesstipps.
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